Vom deutschen Football in die NFL: Lorenz Metz über Rückschläge, den Traum von der Patriots-Karriere und das Munich Game
In München kann sich der große Traum erfüllen!
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- Bild und Angaben: Sportstunde, eingereicht am 8. Oktober 2026
Sportstunde im Gespräch mit Lorenz Metz – Der deutsche Offensive Lineman gehört zum Practice Squad der New England Patriots und spricht offen über seinen ungewöhnlichen Weg, die Härte des NFL-Geschäfts und seinen großen Traum vom ersten Einsatz in der NFL
Frankfurt/München – Vom Football in Deutschland bis zum Practice Squad der New England Patriots: Lorenz Metz hat einen außergewöhnlichen Weg hinter sich. Im Podcast Sportstunde spricht der deutsche Offensive Lineman mit Oliver Dütschke über die Höhen und Tiefen seiner bisherigen Karriere, den Kampf um einen Platz in der NFL, Entlassungen, Zweifel und den unbedingten Willen, seinen Traum weiterzuverfolgen.
Metz ist inzwischen Teil des Practice Squads der Patriots und erlebt täglich, wie hart und gleichzeitig faszinierend das Leben in der NFL sein kann. Dabei weiß er genau, dass selbst ein Vertrag keine langfristige Sicherheit bedeutet.
„Die meisten Leute wissen ja nicht: Du hast jetzt einen Vertrag unterschrieben, aber dieser Vertrag heißt ja eigentlich gar nichts. Die könnten mir morgen sagen: Hey Lorenz, wir müssen dich leider entlassen. Wir haben einen neuen Spieler gefunden, das sind Verletzungen, was weiß ich. Das heißt, jeder Tag ist ein neuer Tag und jeden Tag genieße ich. Genau, mein Bestes jeden Tag.“
Eine Karriere als Achterbahnfahrt
Die vergangenen Jahre waren für Metz von zahlreichen Wendungen geprägt. Nach seiner Zeit bei den Tampa Bay Buccaneers schien zunächst unklar, wie es für ihn weitergehen würde. Dann kam überraschend der Anruf der Patriots – und damit die nächste große Chance.
„Für mich emotional war es natürlich eine Riesenachterbahn. Bei den Buccaneers die Saison fertig gemacht. Nach der Saison herauszufinden, dass man nicht mehr einen Futures-Vertrag unterschreibt. Bei mir war es die Planung, dann trainieren zu gehen für die nächste Saison. Ich hatte schon einen Plan, nach Fort Myers in die Performance Facility zu gehen, und dann eine Woche später herauszufinden, dass die Patriots dich signen und dann natürlich bei den Playoffs dabei zu sein und dann es in den Super Bowl zu schaffen. Das war dann schon echt eine Achterbahn.“
Gerade diese Unsicherheit gehört für Metz mittlerweile zum NFL-Alltag. Als Practice-Squad-Spieler weiß er, dass er jeden Tag aufs Neue überzeugen muss.
„Ich denke, als Practice Squad Player ist das auf jeden Fall immer irgendwo im Hintergrund. Natürlich will man nicht, dass das Realität ist, aber das ist natürlich so. Das Einzige, was du machen kannst, ist dein Bestes geben jeden Tag. Versuche jetzt bei meinem Team, wo ich sage, ich bin Practice Squad Player, muss ich mich natürlich verbessern, aber dann auch einen guten Look geben und die Leute vorbereiten aufs nächste Spiel.“
Was bedeutet eigentlich Practice Squad?
Im Gespräch mit Oliver Dütschke erklärt Metz auch, welche Rolle er im Practice Squad der Patriots einnimmt. Dabei geht es keineswegs darum, einfach nur mitzutrainieren. Die Spieler des Practice Squads haben eine wichtige Aufgabe in der Vorbereitung auf die NFL-Spiele.
„Das Gute daran ist, du spielst gegen die Starting Defensive Line oder Offensive Line, je nachdem, ob du ein Defensive- oder Offensive-Practice-Guy bist. Und darfst dann gegen die offizielle Defense sozusagen von den Patriots spielen und trainieren. Und bereitest die dann eben vor auf das kommende Spiel.“
Metz übernimmt dabei teilweise die Rolle eines Gegenspielers und soll im Training bestimmte Spielweisen simulieren.
„Dann heißt es zum Beispiel: Du musst deinen Stance adjusten, damit es ausschaut: Hey, jetzt hat er seinen Stance so im Run, so im Pass. Du gibst halt denen den Look, den sie brauchen, den sie von dem Spieler erwarten, den du dann eben mimikst.“
Gleichzeitig bekommt Metz dadurch die Möglichkeit, jeden Tag auf höchstem Niveau zu trainieren – und sich selbst weiterzuentwickeln.
„Jeden Tag gibst du dir das Beste und versuchst, besser zu werden, an irgendwas zu arbeiten, sei es Footwork, Hand Placement. Da habe ich definitiv schon gutes Feedback bekommen, vor allem in der Preseason.“
Vom Kirchdorf Wildcats in die NFL
Seine Football-Geschichte begann nicht in den USA, sondern in Deutschland. Mit 18 Jahren kam Metz zum American Football und spielte bei den Kirchdorf Wildcats. Der Sport begeisterte ihn schnell – insbesondere der Teamgedanke.
„Als ich angefangen habe, Football zu spielen, war ich Defensive Lineman. Einfach als Hobby hier gegen andere zu spielen und dann der Teamgeist und das Zusammenkommen von so vielen Leuten, das hat mir einfach Spaß gemacht. Und dann eben zu hitten und den Quarterback sozusagen zu jagen, das war …“
Der Sprung in die USA war zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht selbstverständlich. Metz wusste zunächst sogar nicht, dass der Weg in die NFL normalerweise über das College führt.
„Ich habe früher eigentlich gar nicht so gewusst, der erste Step in die NFL ist eben das College. Ich habe wirklich noch nie College-Football geschaut. Ich hatte nur NFL. Ich habe gar nicht gewusst, wo diese Spieler eben herkommen.“
Dann ergab sich über Brandon Collier und Premier Player International die entscheidende Möglichkeit.
„Ich wurde angefragt, ob ich mit auf den Combine gehe, und habe dann da eben den 40-Yard-Dash gemacht, ein paar One-on-Ones. Und dann wurde ein Film zu seiner Alma Mater geschickt und dann eben auch anderen Colleges. Genau, von August bis dann im Januar war ich schon in den USA. Ich hätte wirklich nie geglaubt, dass das so läuft und jetzt dann eben in der NFL zu sein.“
Rückschläge gehören dazu
Dass der Weg in die NFL nicht geradlinig verläuft, musste Metz mehrfach erfahren. Nach der ersten NFL-Vertragsunterschrift folgte bereits zwei Monate später die Entlassung.
„Ich habe es im College geschafft und jetzt eben dann einen NFL-Vertrag zu unterschreiben, das war schon unglaublich. Und eben dann den Vertrag zu unterschreiben, aber dann zwei Monate später wurde ich schon entlassen. Das ist natürlich dann schon nochmal ein richtiger Hit.“
Besonders eindrücklich beschreibt Metz den Moment, als er bei den Chicago Bears entlassen wurde. Er war bereits früh am Morgen in der Facility, als sein Telefon klingelte.
„Ich war in der Früh einer der Ersten, der in der Facility schon war. Wir hatten Workout, also ein Gewichttraining. Ich war schon sechs Uhr in der Facility. Und dann, ich glaube 6:10 Uhr, hat mein Telefon geklingelt. Ich hatte schon mein komplettes Zeug an. Dann haben sie gesagt: Hast du dein iPad und deine Notes dabei? Ich sage: Ja. Und dann haben sie gesagt: Kannst du bitte hochkommen? Und dann ist das … ja, vorbei.“
Doch genau an diesem Punkt gab Metz seinen Traum nicht auf.
Vom NFL-Spieler zum Warehouse Manager – und zurück
Nach der Entlassung arbeitete Metz hart weiter an sich. Gleichzeitig wurde die finanzielle Situation zunehmend schwierig. Schließlich nahm er einen Job als Warehouse Manager an.
„Viel Unterstützung von Freunden, Familie und dann eben auch meiner Frau, dass das okay ist und wir das schon irgendwie hinkriegen. Und natürlich finanziell hat mich meine Frau auch viel unterstützt. Und dann habe ich für die nächsten drei, vier Monate alleine Workout gemacht, Gewichte gestemmt, also versucht, meine Technik zu verbessern.“
Als ihm schließlich das Geld ausging, musste er einen anderen Weg finden.
„Dann ist mir leider auch das Geld ausgegangen. Dann eben schon versucht, Jobs zu finden. Ich habe dann auch einen Job gefunden, war ein Warehouse Manager in Cincinnati in der Kentucky Area. Hatte dann auch 40 Leute unter mir.“
Doch sein Agent gab die Hoffnung nie auf. Nach Monaten kam der entscheidende Anruf.
„Nach sechs Monaten als Warehouse Manager hat dann mein Telefon wieder geklingelt und es waren dann die Tampa Bay Buccaneers, die mich gerne zu einem Training einladen würden. Ich habe dann eben ein Practice gemacht und zwei Wochen später haben sie mich angerufen und gesagt: Hey, wir würden dich gerne für die nächste Saison unterschreiben.“
Für Metz war dieser Moment der Beweis, dass sich Durchhalten auszahlen kann.
Stars, die plötzlich Teamkollegen sind
Heute trainiert Metz mit Spielern, die er früher selbst im Fernsehen verfolgt hat. Dennoch beschreibt er die NFL-Stars als bodenständig.
„Generell, wenn du die da im Locker Room siehst, sind das alle normale Leute. Die sind auch alle am Boden geblieben. Ja, aber es ist schon cool, die dann eben zu sehen. Natürlich Mike Evans und die ganzen Leute live zu sehen. Und natürlich jetzt hier bei den Patriots A.J. Brown, Morgan Moses, die ganzen Top Dogs.“
Besonders wertvoll ist für Metz die Möglichkeit, von diesen Spielern zu lernen.
„Bei den Buccaneers Tristan Wirfs und die dann eben live zu sehen, ein paar Dinge abzuschauen, denen Fragen zu stellen: Hey, wie kann ich das mal machen? Das ist schon echt cool. Und die sind da wirklich normale Menschen, die sind da nicht irgendwo abgehoben.“
Der große Traum: das Munich Game
Ein besonderer Höhepunkt könnte am 15. November auf Metz warten. Dann treffen die New England Patriots in München auf die Detroit Lions. Für den gebürtigen Bayern wäre ein Einsatz in der Allianz Arena etwas ganz Besonderes.
„Ich denke, wenn man zurückblickend auf die anderen Teams schaut, der Trainingskader ist normalerweise auch immer dabei. Ja, man weiß nie, was passiert, aber ich hoffe schon, dass ich dann dabei bin, hoffentlich auch am Feld.“
Die Vorstellung, in Deutschland für die Patriots aufzulaufen, hat für Metz eine ganz besondere Bedeutung.
„Es schließt sich da irgendwo ein Kreis. Also man fängt an, in Deutschland Football zu spielen, und dann darf man hier in der Allianz Arena in München vor den ganzen deutschen NFL-Fanatikern auflaufen. Das ist unbeschreiblich.“
Bayerische Heimat bleibt wichtig
Auch wenn die USA für Metz inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden sind, vermisst er Deutschland und insbesondere seine bayerische Heimat.
„Die USA ist schon eine zweite Heimat, aber natürlich vermisst man dann schon noch das Bayerische, die Familie, die Freunde. Aber FaceTime und WhatsApp machen es da eigentlich schon möglich, auch da im Kontakt zu sein und nicht zu viel zu vermissen.“
Und auch kulinarisch hat Metz klare Vorstellungen davon, worauf er sich bei seiner Rückkehr nach München freut:
„Leberkäse, Schweinsbraten, Ente mit Knödel und Blaukraut, dann natürlich der Döner, kann auch nicht fehlen. So Dinge werden da schon auch vermisst.“
Der NFL-Traum lebt
Der endgültige Traum ist für Lorenz Metz noch nicht erfüllt: ein tatsächlicher Einsatz in einem NFL-Spiel. Wann dieser Moment kommen wird, kann er selbst nicht sagen. Entscheidend sei für ihn, jeden Tag die Voraussetzungen dafür zu schaffen.
„Das Ding, was ich dazu beitragen kann, ist, mein Bestes zu geben. Am Ende des Tages ist es dann die Entscheidung des Teams und dann auch natürlich, welche Verletzungen und was so auf dem Feld passiert. Und ich hoffe, dass wir hier hoffentlich mit dem nicht rechnen müssen. Ganz viel kann da passieren. Man kann das nie wirklich voraussagen.“
Bis dahin bleibt Metz seiner Linie treu: weiterarbeiten, weiterlernen und jeden Tag die Chance nutzen.
Die komplette Folge mit Lorenz Metz ist ab sofort im Podcast „Sportstunde“ zu hören. Im ausführlichen Gespräch mit Oliver Dütschke erzählt der deutsche NFL-Spieler seine persönliche Geschichte – vom Football in Deutschland über College und zahlreiche Rückschläge bis zu seinem aktuellen Platz bei den New England Patriots. Überall, wo es Podcasts gibt.
Original-Inhalt von Sportstunde und übermittelt von Oliver Dütschke
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