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Jedes Unternehmen arbeitet an seiner KI-Strategie. Wo ist eigentlich die Menschlichkeitsstrategie?

B Be Yourself Academy GmbH 9 Min. Lesezeit · 1.788 Wörter · 21 Aufrufe Deutschland

Alle reden darüber, was KI uns künftig abnehmen kann. Keynote Speaker Norman Gräter stellt eine andere Frage: Was machen wir Menschen eigentlich mit der Zeit, die uns dadurch geschenkt wird?

Bei meinen Vorträgen in Unternehmen stelle ich Führungskräften in letzter Zeit gerne eine Frage: "Was würden Sie tun, wenn Ihnen KI ab morgen jeden Tag eine Stunde schenken würde?"

Dann sage ich erst einmal nichts. Und im Raum passiert - nichts. Ein paar fragende Blicke. Hochgezogene Augenbrauen. Dann beginnen die ersten nachzudenken. Jemand legt den Stift aus der Hand. Eine Frau lehnt sich zurück und schließt für einen Moment die Augen. Zwei Reihen weiter schaut ein Mann an die Decke, als könnte die Antwort irgendwo dort oben stehen.

Ich warte. Die Stille bleibt. Aber sie fühlt sich inzwischen anders an. Die ersten lächeln. Andere beginnen zu schreiben. Und irgendwann hebt einer der Führungskräfte die Hand. "Herr Gräter, muss ich die Frage jetzt beantworten? Oder kann ich darüber auch später zu Hause nachdenken?"

Ich muss lachen. "Sie können. Aber ich würde Sie gerne zu etwas anderem einladen." Ich schaue in den Raum. "Lassen Sie uns die Stunde nicht schon wieder verschieben, bevor wir sie überhaupt bekommen haben."

Ein paar lachen. "Nehmen Sie sich den Moment. Jetzt. Die nächste Email läuft Ihnen nicht weg." Und dann wird es wieder still.

Kann es sein, Sie machen beim Lesen gerade dasselbe? Vielleicht sind Ihre Augen eben schon ein paar Zeilen weitergesprungen, weil Sie wissen wollten, was meine Antwort ist.

Noch nicht.

Nehmen Sie sich zehn Sekunden. Wenn Ihnen ab morgen jeden Tag eine Stunde geschenkt würde:

Was würden Sie mit ihr machen?

Haben Sie etwas? Gut. Dann können wir weiterreden.

Denn plötzlich geht es gar nicht mehr darum, was KI alles kann. Sondern darum, was wir Menschen mit dem machen, was sie uns abnimmt.

Darf ich Ihnen eine Stunde schenken?

Natürlich kann ich Ihnen keine zusätzliche Stunde in Ihren Kalender zaubern. Aber ich kann Ihnen eine Idee dafür geben, falls KI es irgendwann schafft, sie Ihnen zu schenken.

Verbringen Sie diese Stunde mit einem Menschen.

Und mit "verbringen" meine ich tatsächlich: verbringen. Nicht gleichzeitig E-Mails beantworten oder kurz mal nachschauen, wer geschrieben haben könnte. Einfach mit diesem Menschen sein. Vielleicht mit Ihrem Partner. Oder mit einem Freund, den Sie viel zu lange nicht gesehen haben. Eventuell auch mit einem Menschen aus Ihrem Unternehmen, von dem Sie eigentlich gar nicht so genau wissen, was ihn gerade beschäftigt und wie es ihm wirklich geht.

Und dann machen Sie etwas, das inzwischen erstaunlich schwierig geworden ist: Lassen Sie Ihr Handy weg. Nicht auf lautlos oder mit dem Display nach unten. Weg. Ganz weg. Am besten auch ganz weit weg.

Wann hatten Sie zuletzt 90 Sekunden nichts zu tun?

Ich saß vor einiger Zeit mit einem lieben Freund zusammen. Wir unterhielten uns bestens und wie es die Natur so will, musste mein Gegenüber irgendwann zur Toilette. Er nahm sein Handy und ging. Und plötzlich war ich allein. Vielleicht für 90 Sekunden.

Meine Hand wollte fast automatisch zum Handy. Kennen Sie das? Der andere steht auf. Und zack. Das Ding ist in der Hand.

Es ist fast faszinierend. Da muss keine wichtige Nachricht sein. Niemand muss angerufen werden. Es gibt nichts, was in diesen 90 Sekunden unbedingt erledigt werden müsste. Da ist einfach eine kleine Lücke entstanden. Und die füllen wir. Ich übrigens auch.

Deshalb habe ich irgendwann angefangen, mein Handy bei Gesprächen gar nicht mehr auf den Tisch zu legen. Denn auch das umgedrehte Handy ist noch da. Es liegt zwischen uns. Und spätestens wenn der andere kurz verschwindet, flüstert es: "Na komm. Nur ganz kurz."

Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung also gar nicht darin, was wir mit einer zusätzlichen Stunde anfangen würden. Vielleicht fangen wir erst einmal mit 90 Sekunden an.

Was würde passieren, wenn wir die einfach mal leer lassen? Aus dem Fenster schauen. Über das Gespräch nachdenken. Oder einfach dasitzen und feststellen:

Hier fehlt gerade nichts.

Eine Frau hat mir gezeigt, wie sich Aufmerksamkeit anfühlt

Vor einigen Jahren durfte ich einer Frau begegnen, die Sie auch alle kennen. Sie ist weltbekannt. Und wenn ich heute an diesen Moment zurückdenke, ist es erstaunlicherweise nicht ihr Name, der mir als Erstes einfällt. Es ist ein Gefühl.

Denn diese Frau war da. Wirklich da. Während unseres Gesprächs hatte ich für einen Moment das Gefühl, dass es in diesem Raum nur uns beide gab. Sie schaute mich an, wenn ich sprach. Und sie hörte nicht zu, um gleich selbst etwas zu sagen. Sie hörte zu, um zu verstehen.

Vielleicht waren es nur wenige Minuten. Aber in diesen Minuten gab sie mir das Gefühl: Gerade bist du wichtig.

Das hat mir etwas gezeigt, das ich bis heute in meinem Herz und Hirn behalten habe. Aufmerksamkeit ist kein kompliziertes Führungsinstrument. Sie kostet nicht einmal Geld. Aber sie ist vielleicht eines der wertvollsten Dinge, die wir einem Menschen schenken können. Gerade heute.

Danke für diese schöne Begegnung, liebe Michelle Obama.

Und genau deshalb freue ich mich auf KI

Ich habe keine Angst davor, dass KI uns Arbeit abnimmt. Ich hoffe sogar, dass sie es tut. Warum sollte ein Mensch eine Stunde mit etwas verbringen, das eine Maschine in wenigen Minuten genauso gut oder besser erledigen kann?

Die für mich viel spannendere Frage beginnt danach: Was machen wir mit der gewonnenen Zeit?

Denn wir könnten einen Fehler machen. Wir könnten jede freie Minute sofort wieder mit Arbeit füllen. Aus einer Stunde Effizienzgewinn werden dann einfach fünf weitere Termine. Der Kalender bleibt voll. Nur eben effizienter.

Das wäre möglich. Ich weiß nur nicht, ob das die Zukunft ist, auf die ich mich freue. Mich interessiert eine andere.

Was wäre, wenn Technologie uns wieder mehr Zeit für Menschen gibt?

Stellen Sie sich eine Führungskraft vor, die durch KI tatsächlich jeden Tag eine Stunde gewinnt. Sie könnte daraus den nächsten freien Slot im Kalender machen. Oder sie geht zehn Meter über den Flur. Setzt sich zu einem Menschen. Und fragt: "Wie geht es dir eigentlich?"

Nicht als Führungstechnik oder weil gerade das jährliche Mitarbeitergespräch ansteht. Sondern weil sie es wissen möchte. Und dann passiert etwas Entscheidendes: Sie bleibt sitzen, bis die Antwort kommt.

Vielleicht lautet die Antwort einfach: "Gut." Vielleicht kommt nach ein paar Sekunden aber noch etwas anderes. Genau diese paar Sekunden meine ich.

Wir sprechen gerade sehr viel darüber, wie intelligent unsere Technologie wird. Ich glaube, wir sollten mindestens genauso neugierig darauf sein, was wir mit der frei werdenden Menschlichkeit anfangen.

Wo ist eigentlich unsere Menschlichkeitsstrategie?

Unternehmen investieren gerade enorme Summen in Künstliche Intelligenz. Das ist nachvollziehbar. KI wird unsere Arbeitswelt verändern.

Nur würde ich in einem der vielen Meetings über KI gerne irgendwann noch eine weitere Frage auf die Leinwand schreiben:

Was soll in unserem Unternehmen menschlicher werden, während unsere Technologie intelligenter wird?

Ich glaube nicht, dass wir dafür sofort den nächsten Prozess brauchen. Vielleicht schauen wir erst einmal hin. Wie gehen wir miteinander um, wenn etwas schiefläuft? Was passiert, wenn jemand eine andere Meinung hat als der Chef? Und stehen unsere Unternehmenswerte eigentlich nur auf der Homepage - oder erkennt man sie auch montagmorgens um 9:17 Uhr, wenn es gerade richtig stressig wird?

Da zeigt sich Kultur. Nicht auf der Folie. Sondern zwischen Menschen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Stunde?

Ganz am Anfang dieses Artikels habe ich Ihnen eine Stunde geschenkt. Zumindest in Gedanken. Vielleicht wissen Sie inzwischen, was Sie damit machen würden. Möglicherweise auch noch nicht.

Ich möchte Ihnen nicht sagen, was Sie mit Ihrer Stunde machen sollen. Aber ich möchte Ihnen etwas Kleineres vorschlagen. Nehmen Sie morgen 90 Sekunden davon.

Beim nächsten Gespräch lassen Sie Ihr Handy nicht mit dem Display nach unten auf dem Tisch liegen. Legen Sie es weg. Am besten in einem anderen Raum. Und wenn der Mensch vor Ihnen spricht, seien Sie da.

Wenn er kurz auf die Toilette geht, lassen Sie das Handy trotzdem liegen. Schauen Sie aus dem Fenster. Oder an die Decke. Von mir aus versuchen Sie, mit Ihrem Laserblick einen Punkt hineinzubrennen.

Und wenn der Mensch zurückkommt, schenken Sie ihm etwas, das Michelle Obama mir vor vielen Jahren geschenkt hat: das Gefühl, in diesem Moment wichtig zu sein.

Vielleicht verändert das nicht sofort Ihre Unternehmenskultur. Möglicherweise bemerkt es der andere nicht einmal bewusst. Jedoch wird es ein Mensch ganz sicher bemerken. Sie selbst.

Und dann entscheiden Sie selbst, was Sie mit den restlichen 59 Minuten und 30 Sekunden machen.

Denn vielleicht liegt die größte Chance von Künstlicher Intelligenz am Ende gar nicht darin, dass Maschinen immer menschlicher werden. Sondern darin, dass wir Menschen wieder mehr Zeit dafür bekommen, menschlich zu sein.

Über den Autor

Norman Gräter ist Keynote Speaker für Leadership und Selbstführung. Seit über 20 Jahren beschäftigt ihn die Frage, was Menschen brauchen, um erfolgreich zu sein, ohne sich dabei selbst aus den Augen zu verlieren.

Für seine Arbeit sprach er mit mehr als 400 außergewöhnlichen Persönlichkeiten und überträgt die daraus gewonnenen Perspektiven heute auf Führung, Zusammenarbeit und das echte Leben in Unternehmen.

In seinen Keynotes geht es deshalb weniger um die nächste Methode als um einen anderen Blick auf das, was längst vor uns liegt.

Seine Einladung: Schau noch einmal.

Weitere Informationen zu Norman Gräter und seinen Keynotes: norman-graeter.com

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

Be Yourself Academy GmbH
Herr Norman Gräter
Husemannstr. 7
Berlin 10435
Deutschland

fon ..: 03012140740
web ..: https://beyourself-academy.com/
email : booking@norman-graeter.com

Die Be Yourself Academy GmbH begleitet Unternehmen, Führungskräfte und Teams dabei, eine Arbeitswelt zu gestalten, in der wirtschaftlicher Erfolg und Menschlichkeit zusammengehören. Mit Keynotes, Workshops, Coachings und individueller Unternehmensbegleitung schafft sie neue Perspektiven auf Führung, Zusammenarbeit und Unternehmenskultur.

Gegründet wurde die Be Yourself Academy von Norman Gräter und Anke Rehfeldt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Mensch hinter seiner Position - mit der Überzeugung, dass nachhaltige Veränderung dort beginnt, wo Menschen Verantwortung übernehmen, sich gesehen fühlen und gerne Teil eines Unternehmens sind.

Die Vision der Be Yourself Academy ist eine Arbeitswelt, in der Menschen sich auf den Montag freuen. Denn Unternehmenskultur entsteht nicht nur in Strategiemeetings oder Leitbildern, sondern jeden Tag dort, wo Menschen miteinander arbeiten.

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