Tierquälerei bei Wiesenhof-Zulieferern: Staatsanwaltschaft ermittelt - Veterinäramt erstattet Strafanzeige
Nach der ANINOVA-Aufdeckung in zwei niedersächsischen Hähnchenmastbetrieben ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg. Das Veterinäramt bewertet den Umgang einer Fangkolonne als "hochgradig tierschut
Kranke und verletzte Hähnchen, tote Tiere zwischen lebenden Artgenossen und ein brutaler Umgang beim sogenannten Ausstallen: Vor wenigen Wochen veröffentlichte die Tierrechtsorganisation ANINOVA erschreckendes Bildmaterial aus zwei Hähnchenmastbetrieben in den niedersächsischen Landkreisen Stade und Vechta. Nun gibt es neue Entwicklungen: Das zuständige Veterinäramt für den Betrieb in Deinste bewertet das Verhalten einer auf den Aufnahmen zu sehenden Fangkolonne als "hochgradig tierschutzwidrig" und hat Strafanzeige erstattet. Auch ANINOVA hatte bereits Strafanzeige gestellt, die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt inzwischen. Selbst die PHW-Gruppe, zu der die bekannte Geflügelmarke Wiesenhof gehört, bezeichnet das dokumentierte Verhalten der Fangkolonne als "nicht akzeptabel" und hat dem Landwirt zur Strafanzeige geraten.
Deinste (Landkreis Stade)/ Neuenkirchen-Vörden (Landkreis Vechta), 06.10.2026. Die Aufnahmen aus dem Februar 2026 wurden ANINOVA Ende Juli zugespielt. Sie zeigen unter anderem verletzte und bewegungsunfähige Hähnchen, tote Tiere im Stall sowie den Umgang mit den Tieren während der Ausstallung. Dabei werden Hähnchen von Beschäftigten einer Fangkolonne getreten, geworfen und grob in Transportbehälter befördert.
Neue Informationen des für den Betrieb in Deinste im Landkreis Stade zuständigen Veterinäramtes zeigen zudem, dass bei Kontrollen bereits in der Vergangenheit wiederholt Mängel festgestellt wurden. Allein im Jahr 2025 wurde der Betrieb nach Angaben der Behörde 15-mal kontrolliert. Die bislang letzte Kontrolle fand am 4. September 2026 statt. Auch dabei stellte das Veterinäramt Mängel im Bereich der Biosicherheit fest.
Nach Sichtung des von ANINOVA zur Verfügung gestellten Videomaterials fällt die Bewertung der Behörde deutlich aus. Auf den Aufnahmen sei beim Fangen und Verladen der Hähnchen ein "hochgradig tierschutzwidriges Verhalten einzelner Mitglieder der Fängerkolonne" zu sehen. Aufgrund des Videos hat das Veterinäramt angekündigt, Strafanzeige wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu erstatten.
Auch die PHW-Gruppe, zu der die Marke Wiesenhof gehört, kritisiert das Vorgehen der Fangkolonne. Das dokumentierte Verhalten sei "nicht akzeptabel und sollte schnellstmöglich einer tierschutzrechtlichen Bewertung unterzogen werden". Nach Angaben des Unternehmens wurde dem Landwirt zudem angeraten, umgehend selbst Strafanzeige gegen die beteiligten Personen der Fangkolonne zu erstatten.
"Dass selbst das zuständige Veterinäramt von hochgradig tierschutzwidrigem Verhalten spricht und Strafanzeige erstattet, bestätigt die Dramatik der Aufnahmen", sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA. "Besonders erschreckend ist, dass in dem Betrieb bereits zuvor wiederholt Mängel festgestellt wurden. Kontrollen müssen dazu führen, dass Missstände tatsächlich abgestellt und Tierleid verhindert wird."
ANINOVA hatte unmittelbar nach Erhalt des Materials ebenfalls Strafanzeige bei der Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Oldenburg erstattet und die zuständigen Veterinärbehörden informiert. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg zu beiden von ANINOVA dokumentierten Betrieben. Für den Betrieb in Deinste wird das Verfahren unter dem Aktenzeichen 1103 Js 54937/26, für den Betrieb in Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta unter dem Aktenzeichen 1106 Js 54718/26 geführt.
"Jetzt müssen die Vorgänge umfassend strafrechtlich aufgearbeitet werden. Dabei darf der Blick nicht allein auf einzelne Personen der Fangkolonne gerichtet werden", so Peifer. "Entscheidend ist auch die Frage, wie solche Zustände trotz bestehender Kontroll- und Qualitätssicherungssysteme möglich sind."
Auch die Transportwege der Tiere werfen aus Sicht von ANINOVA weitere Fragen auf. Interne Unterlagen, die ANINOVA vorliegen, zeigen, dass aus einem Mastdurchgang rund 10.000 Hähnchen zum PHW-Schlachthof nach Möckern in Sachsen-Anhalt transportiert wurden. Für die Tiere bedeutet dies eine fast 300 Kilometer lange Fahrt. Rund 10.000 weitere Tiere aus demselben Bestand wurden dagegen zum deutlich näher gelegenen PHW-Schlachthof in Lohne in Niedersachsen transportiert.
"Dass Tiere aus demselben Stall teilweise fast 300 Kilometer quer durch Deutschland transportiert werden, obwohl ein deutlich näher gelegener Schlachthof beliefert wird, zeigt, wie sehr das Tier in diesem System zur Ware wird", sagt Peifer. "Es wird dorthin transportiert, wo es wirtschaftlich oder logistisch in die Abläufe passt. Die Belastungen für das einzelne Tier spielen dabei offenbar nur eine untergeordnete Rolle."
ANINOVA fordert grundsätzlich ein Ende der industriellen Tierhaltung. "Wer verhindern möchte, dass Tiere für Lebensmittel gehalten, transportiert und getötet werden, kann mit einer pflanzlichen Ernährung unmittelbar dazu beitragen", so Peifer.
ANINOVA setzt sich für eine Welt ein, in der Tiere nicht für menschliche Zwecke ausgebeutet werden, und ermutigt Menschen zu einem veganen Lebensstil.
Weitere Informationen zum Betrieb in Neuenkirchen-Vörden hier .
Weitere Informationen zum Betrieb in Deinste hier .
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Der Focus von ANINOVA e.V. liegt in den Bereichen Massentierhaltung und Pelz. Die Tierrechtsorganisation zeigt mit Aufdeckungen und Undercover Recherchen auf, wie sogenannte Nutztiere in Deutschland gehalten werden. Weitere Informationen unter www.aninova.org
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