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Aktuelle Studie zum Tag der Deutschen Einheit

J John Will Kommunikation 6 Min. Lesezeit · 1.263 Wörter · 27 Aufrufe Deutschland

Deutschland ist wenig geeint und doch liegen Ost und Wer nah beieinander. Die aktuelle Studie zum Tag der Deutschen Einheit gibt Informationen zu Themen wie Freiheit, innerer Sicherheit und Zukunft.

Bundesweite Studie zum Tag der Deutschen Einheit: Deutschland erlebt sich als uneinig. Doch bei Fragen dazu, was den Menschen wichtiger ist - etwa Freiheit oder innere Sicherheit, Tradition oder Veränderung - liegen Ost und West sehr nah beieinander. Das Deutschlandbild fällt zugleich kritisch aus.

Deutschland erlebt sich als wenig geeint. Doch die Ergebnisse der bundesweiten Studie der smart insights GmbH erzählen keine einfache Ost-West-Geschichte. Befragte im Westen und Osten beurteilen die Einheit nahezu identisch. Und auch wenn sie sich entscheiden müssen, was ihnen wichtiger ist - etwa Freiheit oder innere Sicherheit, Tradition oder Veränderung, Individualität oder Gemeinschaft sowie Wohlstand oder Nachhaltigkeit -, liegen die Antworten in Ost und West jeweils weniger als drei Prozentpunkte auseinander. Zugleich fällt das Deutschlandbild kritisch aus: 75,5 Prozent beschreiben Deutschland als "bürokratisch", 53,7 Prozent als "langsam". Und selbst bei den alltäglichen Fragen gibt es überraschende Unterschiede: Der Nutella-Äquator verläuft offenbar nicht zwischen Nord und Süd, sondern zwischen den Generationen.

Die Studie zeigt, welche Trennlinien die Befragten heute wahrnehmen, wie unterschiedlich wir uns selbst und die übrige Bevölkerung einschätzen und wie stark sich Deutschlandbild, Zukunftsblick und persönliche Prioritäten je nach Wahlabsicht unterscheiden.

Nur jeder Zehnte hält Deutschland für geeint - Ost und West liegen dennoch nah beieinander

Bundesweit halten 10,7 Prozent der Befragten Deutschland derzeit für geeint. 50,4 Prozent empfinden das Land als nicht geeint, weitere 38,9 Prozent positionieren sich in der Mitte. Das Gefühl mangelnder Einheit ist kein reines Ost-West-Phänomen: Im Westen halten 50,5 Prozent Deutschland für nicht geeint; im Osten sind es 50,3 Prozent.

Gleichzeitig zeigt sich: Auch bei der Frage, was ihnen wichtiger ist, unterscheiden sich Ost und West kaum. Die Befragten mussten sich jeweils zwischen Freiheit und innerer Sicherheit, Tradition und Veränderung, Individualität und Gemeinschaft sowie Wohlstand und Nachhaltigkeit entscheiden. Bei keiner dieser vier Fragen liegen Ost und West mehr als drei Prozentpunkte auseinander.

Die stärksten wahrgenommenen Trennlinien verlaufen nicht geografisch
Am häufigsten als Trennlinien genannt werden unterschiedliche Einstellungen zu Migration und Integration (50,6 Prozent), starke politische Gegensätze (50,5 Prozent) sowie Unterschiede zwischen Arm und Reich (48,5 Prozent). Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland nennen 30,1 Prozent. Im Osten liegt dieser Anteil allerdings bei 45,1 Prozent, im Westen bei 26,7 Prozent.

32,2 Prozent fühlen sich in erster Linie als Bundesbürger/in bzw. Deutsche/r, gefolgt von der eigenen Wahrnehmung als "Europäer/in" (22,0 Prozent). Als "Ost-/Westdeutsche/r" sehen sich bundesweit 5,7 Prozent, im Osten 19,7 Prozent, im Westen 2,5 Prozent.

Wir halten die anderen für anders als uns selbst
Was wir selbst wichtig finden, schreiben wir der übrigen Bevölkerung nicht unbedingt in gleichem Maß zu. 20,2 Prozent nennen Wohlstand persönlich als besonders wichtig, 46,8 Prozent vermuten dies für die Bevölkerung. Demokratie nennen 57,7 Prozent persönlich als besonders wichtig; 42,3 Prozent vermuten dies für die deutsche Bevölkerung.

Das gleiche Muster zeigt sich, wenn die Befragten zwischen zwei Alternativen wählen sollen: 56,8 Prozent entscheiden sich persönlich für Wohlstand statt Nachhaltigkeit - zugleich vermuten 77,6 Prozent, dass die deutsche Bevölkerung Wohlstand bevorzugen würde. Für Tradition statt Veränderung entscheiden sich persönlich 50,7 Prozent; bei der Bevölkerung erwarten dies 67,6 Prozent.

Deutschland blickt pessimistisch nach vorn und wird als Person nur bedingt sympathisch bewertet
55,0 Prozent blicken pessimistisch auf Deutschlands Zukunft, lediglich 9,5 Prozent optimistisch. Besonders kritisch werden der gesellschaftliche Zusammenhalt (59,8 Prozent pessimistisch) und die soziale Gerechtigkeit (59,5 Prozent) beurteilt. Auch das personifizierte Deutschlandbild fällt verhalten aus: Nur 25,2 Prozent würden Deutschland als Person (sehr) sympathisch bewerten, 43,4 Prozent neutral und 31,4 Prozent als (sehr) unsympathisch. Bei den Eigenschaften dominieren "bürokratisch" (75,5 Prozent) und "langsam" (53,7 Prozent); "innovativ" (5,4 Prozent) und "zukunftsorientiert" (5,1 Prozent) werden dagegen nur selten genannt.

Je nach Wahlabsicht wird Deutschland sehr unterschiedlich gesehen
Während Ost und West bei den vier Fragen dazu, was ihnen wichtiger ist, sehr ähnlich antworten, gehen die Antworten zwischen den fünf dargestellten Wahlabsichtsgruppen deutlich stärker auseinander. Besonders sichtbar wird das beim Blick auf Deutschlands Zukunft: Unter den Befragten mit Wahlabsicht AfD blicken 73,5 Prozent pessimistisch nach vorn, unter den Befragten mit Wahlabsicht Die Linke 64,1 Prozent. Bei Befragten mit Wahlabsicht SPD sind es 32,0 Prozent, bei CDU/CSU 38,5 Prozent und bei Bündnis 90/Die Grünen 43,6 Prozent. Auch das Bild Deutschlands als Person unterscheidet sich deutlich. 47,3 Prozent der Befragten mit Wahlabsicht AfD und 46,9 Prozent der Befragten mit Wahlabsicht Die Linke würden Deutschland als (sehr) unsympathisch bewerten. Bei SPD, CDU/CSU und Grünen liegt dieser Anteil zwischen 13,4 und 16,4 Prozent.

Besonders deutlich werden die Unterschiede bei der Frage, was den jeweiligen Gruppen wichtiger ist. So entscheiden sich 79,8 Prozent der Befragten mit Wahlabsicht AfD für Tradition statt Veränderung, bei den Befragten mit Wahlabsicht CDU/CSU sind es 64,2 Prozent. Unter den Befragten mit Wahlabsicht SPD sind es 40,2 Prozent, bei den Grünen 23,4 Prozent und bei der Linken 15,2 Prozent. Noch größer ist die Spannweite bei Wohlstand oder Nachhaltigkeit: 84,4 Prozent der Befragten mit Wahlabsicht AfD entscheiden sich für Wohlstand, bei den Grünen sind es 20,3 Prozent. Auch hier beschreiben die Ergebnisse Unterschiede zwischen Gruppen, sie erklären nicht, wodurch diese Unterschiede entstehen.

"Deutschland lässt sich nicht auf eine einfache Ost-West-Erzählung reduzieren", sagt Dr. Tobias Recke, Geschäftsführer der smart insights GmbH. "Wenn wir danach fragen, was den Menschen wichtiger ist - etwa Freiheit oder innere Sicherheit, Tradition oder Veränderung, Wohlstand oder Nachhaltigkeit -, liegen Ost und West erstaunlich nah beieinander. Deutlich größere Unterschiede zeigen sich teilweise zwischen Menschen mit unterschiedlicher Wahlabsicht - beim Zukunftsblick, beim Deutschlandbild und bei der Frage, was ihnen wichtig ist."

Der Nutella-Äquator verläuft zwischen den Generationen

Bei den Spaßfragen zeigt sich: Wenn es einen Nutella-Äquator gibt, verläuft er vor allem zwischen den Altersgruppen. Bundesweit sagen 61,8 Prozent "das Nutella". Unter den 16- bis 20-Jährigen sind es nur 24,6 Prozent, bei den Befragten ab 60 Jahren dagegen 73,8 Prozent. Auch beim Klischee "typisch deutsch" wandelt sich das Bild mit dem Alter. Bundesweit liegen "Sandalen & Socken" mit 29,5 Prozent vorn. Unter den 16- bis 20-Jährigen führen Kartoffeln mit 40,4 Prozent, bei den Befragten ab 60 Jahren der Gartenzwerg mit 33,5 Prozent.

Über die Studie

Die Untersuchung ist eine Eigenstudie der smart insights GmbH; es gibt keinen externen Auftraggeber oder Sponsor. Befragt wurden vom 3. bis 9. September 2026 insgesamt 1.044 Personen im Alter von 16 bis 75 Jahren in Deutschland im Rahmen einer Online-Befragung. Die Rekrutierung erfolgte über ein Online-Access-Panel als Quotenstichprobe nach Alter, Geschlecht und Bundesland. Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab; eine Nachgewichtung erfolgte nicht. Prozentwerte beziehen sich auf gültige Antworten; die gültige Fallzahl kann je Frage abweichen. Der vollständige Fragenwortlaut, Antwortoptionen, gültige Fallzahlen und weitere methodische Angaben sind im Berichtsband dokumentiert.

Über die smart insights GmbH
smart insights ist ein unabhängiges Marktforschungsinstitut aus Bremen und arbeitet unter anderem für Porsche, OHB und Sparkassen. Als kooperatives Mitglied im BVM Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher orientiert sich das Institut an den professionellen Standards der Markt- und Sozialforschung.

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John Will Kommunikation
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